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Familie Jeibmann - Gastfamilie 2011

Unsere Zeit mit Melany

Am zweiten Weihnachtsfeiertag 2010 trat Melany in unser Leben. Alles ging sehr schnell. Bei dem Bewerbungsverfahren unserer ältesten Tochter Josephine im vergangenen Herbst für ein Schuljahr mit AFS im Ausland wurden auch wir gefragt, ob wir bereit wären, ein Gastkind aufzunehmen. "Ja" sagten bzw. schrieben wir spontan, nachdem wir in der Vergangenheit positive Erfahrungen mit Kurzaufenthalten von französischen und bolivianischen Gastkindern gemacht hatten. Nicht sofort ein ganzes Jahr sollte es sein, aber ein paar Wochen oder Monate - das konnten wir uns sogleich gut vorstellen.

Schon wenige Wochen später ging das Telefon. Ein Hilferuf ereilte uns. Ein 17jähriges Mädchen aus Venezuela müsse spätestens im Januar die Gastfamilie wechseln. Ob wir Lust hätten Melany aufzunehmen, fragte man uns. Das passierte wenige Tage vor Weihnachten und wir dachten nur: So schnell schon und ausgerechnet  jetzt? Wir waren ausgepowert nach einer längeren Phase, in der  Vieles zu bewältigen war. Sollten wir uns so unvorbereitet darauf einlassen?

Aber für uns Fünf war jedoch bald klar, dass Melany für die kommenden Monate ein Mitglied unserer Familie sein sollte - nachdem wir ihr Profil gelesen hatten und sie zum ersten Mal durch unsere Tür gekommen war. Und wir haben diese rasche Entscheidung noch keine Sekunde bereut. Melany ist uns sehr "ans Herz gewachsen" und eine Bereicherung für unser Leben. Nach ihrer Heimreise werden wir sie sicherlich sehr vermissen und hoffen, sie in nicht all zu ferner Zukunft einmal wiederzusehen!

Immer wieder sind wir darüber erstaunt wie gut unser Gastkind die deutsche Sprache schon beherrscht und von Tag zu Tag merklich hinzulernt - wo sie doch im September ohne jegliche Vorkenntnisse nach Deutschland kam. Viel Freude machen uns die vielen lebhaften Gespräche mit ihr bei Tisch oder im Sofa über "Gott und die Welt". Für ihre 17 Jahre ist sie sehr wissbegierig und vielfältig interessiert. Sie kann sich gut organisieren, und ist hilfsbereit. Auch kümmert sie sich lieb um unseren neuen Familienzuwachs Filou (ein neun Monate alter Parson-Russel-Terrier).

Wir freuen uns darüber, dass sie ein "Familienmensch" und auch gegenüber unseren Großeltern, anderen Familienmitgliedern und unseren Freunden so aufgeschlossen ist. Von ihrer Familie und ihren Freunden haben wir schon viele Fotos gesehen; sie denkt viel an sie und erzählt regelmäßig von ihnen. Dass sie sich schon nach kürzester Zeit ebenso wie unsere eigenen Kinder auf dem Sofa "rumlümmelte" und in unserem Haus die meiste Zeit in den gemeinsamen Wohnräumen verbringt, gibt uns das Gefühl, dass sie sich wohl bei uns fühlt. Und als sie nach ihrem zweiwöchigen Berlinaufenthalt durch unsere Haustür kam und sagte: "Schön, wieder zu Hause zu sein!", waren wir sehr berührt.

Heute in vier Wochen ist unser Familienleben zu sechst vorbei. Die Zeit verging wie im Flug - viel zu schnell! Über die vielen gemeinsamen Erlebnisse und Aktivitäten können wir an dieser Stelle nicht ausführlich berichten. Höhepunkte waren gemeinsame Besuche des Senckenbergmuseums in Frankfurt am Main, der Landesgartenschau in Koblenz, des "Mathematikums" in Giessen und des Weilburger Schlosses. Außerdem waren wir mit unserem Gastkind im Weißhaus-wald, Landesmuseum und Theater in Trier ("My Fair Lady", "Rocky Horror Picture Show", Sinfoniekonzert) und auf einer typisch deutschen Hochzeit in der Petrikirche in Münster. Melany hat auch einige Angebote von AFS wahrgenommen (z. B. Minigolfen, Frühstück und Survival-Treffen in St. Antonius, Abendessen bei Marie-Luise und Wolfgang Pott), spielt Badminton und Volleyball und engagiert sich im Jugendclub der Trierer Stadtmission.

Die Woche vor ihrer Rückkehr nach Venezuela wird unser Gastkind mit uns in der Toskana verbringen - für uns alle sicherlich ein krönender Abschluss der gemeinsamen Zeit.

Wahrscheinlich werden wir ein weiteres Mal für längere Zeit ein Gastkind aufnehmen, aber nicht sogleich - denn Melany kann man nicht so rasch ersetzen...

Für alle, die darüber nachdenken, eine(n) Austauschschüler(in) aufzunehmen: Die zusätzliche Arbeit wird ausgiebig belohnt. Am Ende ist man um Vieles reicher: nicht nur um viel Wissen von Sprache und Kultur des anderen Landes. Die Erfahrungen mit einem/r Gastschüler/in gehen weit darüber hinaus...