Sie sind hier: AFS-Komitee Trier > Das Komitee > Erfahrungsberichte > Afrika > Sophia, Ghana (14/15) > 

Grüße aus Ghana von Sophia

Hi ihr Lieben!


Ich bin Sophia aus Trier.  Nach dem Abitur habe ich mich dazu entschlossen, noch einmal mit AFS ins Ausland zu gehen. Diesmal in Richtung Süden, nach Ghana, wo ich einen Freiwilligendienst absolviere - und zwar im AFS Büro in Accra.

Im September 2014 kam ich in Accra an, ohne genaue Vorstellungen, was ich zu erwarten hatte. Die erste Woche in Ghana war wie ein Sprung ins kalte Wasser. Nur, dass es ganz und gar nicht kalt war, sondern sogar ziemlich heiß. Accra ist staubig, chaotisch, bunt und laut. Autos hupen und Verkäufer tragen ihre Ware auf dem Kopf, Kinder lachen dich an und rufen dir "Obroni" hinterher, am Straßenrand rösten Frauen Kochbananen und von irgendwo schreit ein Prediger in einen Lautsprecher.

Jetzt, nach fünf Monaten, habe ich mich schon an so gut wie alles gewöhnt. Mit meiner Gastfamilie lebe ich im Stadtteil Dansoman. Ich habe zwei junge Gasteltern, eine Gastoma und drei Geschwister. Meine jüngste Gastschwester Seyram hat inzwischen Laufen gelernt und meine Gastoma versucht mir die Stammessprache Twi beizubringen. Mein Ghanaischer Name ist Abena, da ich an einem Dienstag geboren bin.

Das ghanaische Essen schmeckt mir sehr gut und ich habe soweit alles probiert was mir aufgetischt wurde - mein Favorit ist Waayke, ein Reis- und Bohnengericht mit Kochbananen, das man natürlich (wenn man will) mit der rechten Hand essen darf.

Inzwischen kenne ich meinen Weg zur Arbeit schon blind und ich werde im Minibus (Trotro) nicht mehr mit den Preisen ausgetrickst. Eventuell liegt das auch daran, dass ich gar nicht mehr so fremd aussehe: Meine Haare sind geflochten und ich trage oft afrikanische Stoffe - sich etwas schneidern lassen ist hier nicht teuer.

Im AFS Büro wurde ich der Arbeit mit den sogenannten School Clubs zugeteilt. Die AFS School Clubs sind so etwas ähnliches wie AG's rund um das Thema Interkulturelles Lernen.
Hier in Ghana können sich nicht viele Menschen ein Auslandsjahr leisten, weswegen auf diesem

Wege versucht wird, den Schülern ein Verständnis für die Welt zu vermitteln. Außerdem ist die Nachfrage an Freiwilligen hier sehr groß. Teil meiner Arbeit ist deswegen auch, mir Projekte anzusehen (Schulen, Weisenheime, Einrichtungen für Straßenkinder) und zu beschließen, ob wir unsere Freiwilligen dorthin vermitteln wollen.

Nicht jeder Tag ist einfach - momentan kämpft Ghana mit einer Energiekrise: der Strom wird alle 12 Stunden für 24 Stunden abgeschaltet.  Ab und zu gilt das auch für fließendes Wasser. Die Rufe auf den Straßen können auf Dauer auf die Nerven gehen und das Essen auf den Magen.

Trotzdem, ich habe noch aufregende sechs Monate vor mir! Malaria ist mir bisher fern geblieben, Ebola hatte es niemals auch nur gewagt, nach Ghana zu kommen und die Trockenzeit ist langsam auch endlich wieder vorüber. Mein Twi wird von Tag zu Tag besser und somit auch das Handeln einfacher.  Im gelassenen ghanaischen Arbeitsklima geht die Zeit sehr schnell  vorbei und ich wette, dass ich bald, ohne mich zu versehen, auch schon wieder bei euch in Trier sitze und euch alles ganz genau erzählen kann.

 

Bis dahin, vermisst mich nicht zu sehr.
Haltet die Ohren steif und wie es auf einem ghanaischen Trotro stehen würde "There is no hurry in life!"